Unterstützerkreis Flüchtlinge bereitet sich vor
Vertreten waren auch Institutionen und soziale Einrichtungen wie die Markgräfler Tafel, das DRK, das Altenwerk, die evangelische Kirchengemeinde, der Verein SOS werdende Mütter und andere. Vom Landratsamt waren der offizielle Betreuer Julian Staiger und Johannes Zlabinger vom Fachbereich Soziale Dienste anwesend. Bürgermeister Schuster wies darauf hin, dass die Unterkunft keine städtische Einrichtung ist, die Stadt aber den Landkreis bei der Betreuung der Flüchtlinge mit dem Helferkreis unterstützen wolle.
Große Hilfsbereitschaft
Er sei positiv überrascht von der großen Hilfsbereitschaft, sagte Zlabinger. Zwar gebe es auch an den anderen Standorten von Flüchtlingsunterkünften Helferkreise, aber noch nie habe er erlebt, dass sich schon vorher Menschen zusammengetan hätten, um den Flüchtlingen beim Zurechtfinden in einem für sie fremden Land zu helfen. Die Hauptgruppe der Flüchtlinge, die im Landkreis unterkommen sollen, kommt aus Gambia, und bestehe zu 80 Prozent aus alleinstehenden jüngeren Männern, berichtete Zlabinger. Oft würden die Familien zusammenlegen, um die hohen Preise für die Schlepper bezahlen zu können und oft seien die jungen Männer die einzigen, die die Strapazen einer Flucht überhaupt bestehen, erklärte er auf die Frage, warum kaum Familien oder Paare kommen. Für die behördliche Betreuung ist der Sozialarbeiter Julian Staiger zuständig, er wird ein Büro und feste Sprechzeiten in der Unterkunft haben.
Viele Möglichkeiten, zu helfen
Die Einsatzmöglichkeiten der Ehrenamtlichen sind vielfältig. Staiger erklärte, dass man auch für eine Person eine Art Patenschaft übernehmen könne. Wolfgang Rozek vom DRK-Ortsverein wies auf die Kleiderkammer hin. Silvana Müller, Leiterin der Markgräfler Tafel war dafür, den Flüchtlingen beim Finden von günstigen Einkaufsmöglichkeiten zu helfen. Gerade der Tafelladen sei eine viel genutzte Plattform für Kontakte und Austausch von Informationen. Ulla Arweiler vom Altenwerk bot Teilnahme an Ausflügen, Wanderungen, Kartenspiel oder Kegelabenden an. Das könne auch für jüngere Männer interessant sein, meinte sie. Bernhard Beier-Spiegler vom Diakonischen Werk bestätigte, dass Kegeln ein "tolles Mittel" für die Verständigung sei, da man hier keine Sprachkenntnisse brauche. Er bot auch an, für die Helfer kostenlos an zwei Samstagen ein Seminar zu halten, wie man mit Menschen aus anderen Kulturen umgeht. Als "interkultureller Trainer" habe er hier Erfahrung. Dieser Vorschlag wurde mit Beifall aufgenommen. Anklang fand auch der Vorschlag für eine Exkursion ins Flüchtlingsheim Kirchzarten, wo man sich mit dem dortigen Helferkreis und den Bewohnern treffen will. Auch wollen die Neuenburger Ehrenamtlichen vor dem Einzug der Flüchtlinge die neue Unterkunft besichtigen. Die Stadt hat ebenfalls Möglichkeiten zu handeln, etwa bei der Ermöglichung, die Freizeiteinrichtungen wie das Hallenbad zu nutzen oder auch, wenn das Gesetz es erlaubt, Beschäftigungen auf Ein-Euro-Basis anzubieten, etwa im Bauhof oder im Seniorenheim. Die Interessierten des Helferkreises werden ab jetzt über einen Newsletter auf dem Laufenden gehalten.
Keine "gestapelten Container"
Die Flüchtlinge werden nicht alle auf einmal sondern in kleineren Gruppen nach Neuenburg kommen, sagte Staiger. Warum die Stadt 40 Menschen aufnimmt, erklärte Bürgermeister Schuster damit, dass bei dieser Anzahl eine ständige Betreuung vor Ort und ein Hausmeister garantiert seien. Mit dem Landkreis sei ferner vereinbart, dass die Stadt nicht für eine Unterbringung im Anschluss an das Asylverfahren aufkommen muss. Dafür hat sie das Grundstück für die Unterkunft zur Verfügung gestellt. Der Pachtvertrag sei unterschrieben, die Baugenehmigung erteilt. Ihre gute Verhandlungsposition habe die Stadt ausgenutzt, um auf die Ausgestaltung der Unterkunft Einfluss zu nehmen: Sie wird sich von einem Mehrfamilienhaus äußerlich kaum unterscheiden, die beiden Baukörper erhalten ein Satteldach und einen Verputz, so dass man keine "gestapelten Container" befürchten müsse. Untergebracht werden die Flüchtlinge in Zweibettzimmern. Hier greift bereits die gesetzliche Erweiterung der Fläche für eine Person von bisher 4,5 auf jetzt sieben Quadratmeter.